Wahrnehmung für wahr nehmen?

Im wissenschaftlichen Umfeld erfüllen Visualisierungen unterschiedliche Zwecke. Als Arbeitsinstrumente verdeutlichen sie komplexe Sachverhalte und erleichtern den Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, als Kommunikationsinstrumente erklären sie Forschungsergebnisse auf leicht verständliche Art und bieten einer breiten Öffentlichkeit attraktive Einblicke in die Wissenschaftswelt.

Gerade wissenschaftliche Illustrationen – von Hand gezeichnet oder am Computer konstruiert – faszinieren durch ihre Ästhetik und Präzision. Betrachterinnen und Betrachter können sich nur schwer dem Zauber des Illusionistischen entziehen. Darum ist in der Wissenschaftskommunikation Vorsicht geboten. Es besteht die Gefahr, dass wissenschaftliche Illustrationen eine Vollkommenheit vorspiegeln, die im Widerspruch steht zu den Unwägbarkeiten der dargestellten Forschungsergebnisse.

Ähnliches gilt für Grafiken, die Statistiken visualisieren. Sie zeigen jeweils nur kleine Ausschnitte umfangreicher Datensammlungen. Zudem betonen sie einzelne Fragestellungen oder bilden Geschichten, indem sie spezifische Aspekte oder Entwicklungen miteinander verbinden. Auch die Form der Grafiken beeinflusst deren vermeintlich objektive Aussage. Zum Beispiel heben Säulendiagramme Unterschiede ähnlicher Werte stärker hervor als Kuchendiagramme.

Was sind die Risiken von Visualisierungen in der Wissenschaftskommunikation? Welchen Nutzen bieten sie in der Information, Bildung und Kommunikation? Am diesjährigen ScienceComm Kongress in Beromünster, an dem die Büchermacher teilnahmen, zogen sich diese Fragen wie ein roter Faden durch die Vorträge und Projektpräsentationen des Themenschwerpunkts «Science Visualization».

Benjamin Wiederkehr (Interactive things, Zürich) erklärte, wie aus statistischen Daten Geschichten entstehen, Karin Seiler (Zürcher Hochschule der Künste) stellte den Bachelor-Studiengang Scientific Visualization vor, Fabienne Crettaz von Roten (Universität Lausanne) und Laura Symul (Illustrated Science, Lausanne) diskutierten Nutzen und Risiken von Visualisierungen im wissenschaftlichen Umfeld und Andy Kirk (Visualising Data, England) sprach über die Kunst der Datenvisualisierung.

Fotos: Stephanie Tremp, Zürich

Der vierte ScienceComm Kongress fand am 18. und 19. September in den Räumen des ehemaligen Radiosenders Beromünster statt. Themenschwerpunkte waren «Verhältnis Wissenschaft – Medien – Politik», «Wissenschaft und Kunst» und «Science Visualization».

www.sciencecomm.ch

Andy Kirk und Benjamin Wiederkehr unterhalten Blogs zum Thema Datenvisualisierung:

www.visualisingdata.com

www.datavisualization.ch