Was ist die Zukunft des Buchs?

Bücher sind eine eigenständige Technologie, und diese ist mächtig, langlebig und anpassungsfähig. Dies schreibt das britische Wochenmagazin The Economist in einem äusserst lesenswerten Essay über die Zukunft des Buchs. Schaut man in die Vergangenheit, so ordnen sich die aktuellen Umwälzungen in eine Reihe bahnbrechender Entwicklungsschritte ein, die dem Buch immer wieder neue Spielräume eröffnet haben.

Zusätzliche Formate

Es ist kein Zufall, dass der Economist seinen Essay «From Papyrus to Pixels» gleichzeitig in verschiedenen Formaten publiziert. Wir haben die Wahl zwischen gedrucktem Magazin oder Website, wo der Artikel wiederum als enriched text, E-book oder Hörbuch angeboten wird.

Als «Buch» werden heute nicht mehr nur gebundene Drucksachen mit mindestens 16 Seiten bezeichnet, sondern auch verschiedene digitale Formate. Künftig wird der Begriff wohl noch umfassender genutzt werden, denn, so der Lead des Essays, «The digital transformation of the way books are written, published and sold has only just begun».

Wachsende Reichweite

Vor der Erfindung der Druckerpresse waren Bücher einer kleinen Elite vorbehalten. Seit der Einführung preisgünstiger Taschenbücher in den 1950er-Jahren kann sich eine Mehrheit eine eigene Bibliothek leisten. Und die Digitalisierung wird das Buch nochmals wesentlich populärer machen.

Auch neue Verkaufskanäle sind ein wichtiger Grund für die wachsende Reichweite von Büchern. Online-Stores für Bücher sind nicht mehr wegzudenken, und über Selfpublishing-Plattformen steht Autoren der Weg offen, ihre Werke Leserinnen und Lesern direkt anzubieten.

Neuer Spielraum

E-Book-Verkäufen schienen lange keine Grenzen gesetzt. Mit einem Anteil von über einem Drittel an den gesamten Buchverkäufen sind die USA der weltweit grösste Markt dafür. Deutschland steht mit rund fünf Prozent an dritter Stelle. Nun aber gibt es erste Anzeichen, dass sich der Markt für E-Books erschöpft. Die Absatzkurven flachen allmählich ab.

Die Befürchtungen, dass der Buchbranche das gleiche Schicksal bevorsteht wie der Zeitungs- und Musikindustrie, erweisen sich als Unkenrufe. Entscheidend ist vielmehr, dass der neu entstandene Wettbewerb die spezifischen Stärken und Schwächen der gedruckten und digitalen Formate in den Vordergrund rückt. 

Die mediengerechte Aufbereitung und Inszenierung von Inhalten gewinnt an Gewicht. «It is an imperative now to make the entire physical package itself special», fordert etwa Scott Moyers, Lektor bei Penguin Press.

Noch grösseres Potenzial liegt aber im Zusammenspiel des Buchs mit anderen Medien. Sorgfältig konzipiert entsteht hier Raum für transmediales Storytelling, für Interaktionen mit Leserinnen und Lesern, für neuartige Geschäftsmodelle.

Grosse Perspektiven

Aus angelsächsischer Perspektive und mit Blick auf ein internationales Publikum zeichnet der Economist ein differenziertes und positives Bild der Buchbranche, dessen grosse Linien durchaus auch für die Schweiz gelten.

Die Zukunft des Buchs? Der Economist meint zu Recht: «It is much brighter than people think.»

The Economist, 11. Oktober 2014

Lesen oder hören Sie den Artikel online:

www.economist.com