Anna Luchs und Urs Bernet gestaltet eine Literaturausstellung im Museum Strauhof

«Alles in Allem» gilt als Kurt Guggenheims Opus Magnum. Die zwischen 1952 und 1955 in vier Bänden erschienene Romanchronik mit über 1000 Seiten Umfang erzählt die Geschichte Zürichs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Literaturhistoriker Charles Linsmayer zeigt im Museum Strauhof bis zum 31. Mai eine Ausstellung, die den 1983 verstorbenen Zürcher Schriftsteller ins Zentrum stellt. Höhepunkt der Literaturschau ist die Inszenierung von «Alles in Allem».

Nicht alleine der imposante Saal, die Beleuchtung oder die vielstimmige Geräuschkulisse schaffen eine Atmosphäre, die das Epische von «Alles in Allem» aufnimmt. Auch der Massstab der Präsentation wandelt sich. Zum Auftakt fokussiert die Ausstellung auf Guggenheims Schriftstellerleben und beeindruckt mit noch nie ausgestellten Originalen aus dem Autorennachlass. Von dieser detailreichen Dokumentation in chronologisch angeordneten Vitrinen öffnet sie sich zu einer raumgreifenden Schau, die das reale Zürich mit dem fiktiven Romankosmos verknüpft.

Als Erstes fallen die rund 150 historischen Stadtansichten ins Auge, die sich als breites Fries über die gesamte Raumlänge ziehen. In Schwarzweiss und in Farbe lassen sie das alte Zürich aufleben. Ein Zeppelin, der langsam über den Lindenhof schwebt, das futuristische Automatenrestaurant an der Bahnhofstrasse oder der überfüllte Automarkt auf dem Beatenplatz sind regelrechte Blickfänger. Aber auch die weniger spektakulären Ansichten bleiben in der Erinnerung haften, weil sie zeigen, wie tiefgreifend sich die Limmatstadt in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Museum Strauhof, Kurt Guggenheim, Alles in Allem
Museum Strauhof, Kurt Guggenheim, Alles in Allem

Fotos: Manfred Utzinger

«Da behaupte noch einer, es sei schwierig, Literatur fürs Auge, für empfindsame Sinne auszustellen!»  Basler Zeitung, 18. März 2015

Auf der gegenüberliegenden Raumseite stehen auf Tischen 50 kleine Pappfiguren. Die Illustratorin Anna Luchs hat die wichtigsten Figuren aus «Alles in Allem» zu ausdrucksstarken Charakterporträts verdichtet. Dabei zeigt sich ein besonderer Reiz von Kurt Guggenheims Roman. Der Autor vermischte fiktive Figuren mit Personen, die wirklich lebten. Diese treten in «Alles in Allem» unter ihren richtigen Namen oder unter Pseudonymen auf.

Museum Strauhof, Kurt Guggenheim, Alles in Allem
Museum Strauhof, Kurt Guggenheim, Alles in Allem

Fotos: Manfred Utzinger, Anna Luchs

Bindeglied zwischen Ausstellung und Roman ist ein Booklet, das an der Museumskasse abgegeben wird. Zu jeder der 150 Stadtansichten bietet es eine Legende in Form eines Textausschnitts. So wird «Alles in Allem» minutiös in Zürichs Quartiere eingebettet. Auch die 50 Figuren sind in der Broschüre versammelt und mit einem einordnenden Biogramm versehen.

«Klein, aber fein. Und überwältigend – wie Guggenheims gesamtes Werk.»  Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Die Reichhaltigkeit und die unzähligen Bezugsmöglichkeiten sprechen die Besucherinnen und Besucher offensichtlich an. Viele verweilen lange in der Ausstellung und lassen das alte Zürich im Spiegel von Kurt Guggenheims Romanchronik Revue passieren. Eine Brücke zurück in die Gegenwart bietet ihnen die Projektion am Ende des Bilderfrieses. Sie überblendet historische Ansichten von Zürich mit aktuellen Fotografien.