Der Complete Traveller Antiquarian Bookstore in New York

Als der Complete Traveller Bookstore vor 30 Jahren gleich um die Ecke des Empire State Buildings eröffnet wurde, war er der erste Reisebuchladen in den USA. Zu Beginn als herkömmliche Sortimentsbuchhandlung konzipiert, entwickelte er sich zum Complete Traveller Antiquarian Bookstore, einem Buchantiquariat mit Kundschaft aus der ganzen Welt. Nachdem im Januar 2015 das Ladengeschäft an der Madison Avenue geschlossen wurde, ist das Reisebuchantiquariat heute ein Onlineshop. Anfang Dezember übernahm ein Schweizer den Complete Traveller Antiquarian Bookstore von den Gründern Harriet und Arnold Greenberg. Stefan Bär, Buchhändler und Antiquar, ist vor 15 Jahren in die USA ausgewandert. Zuvor hatte er bereits als Geschäftsführer des Complete Traveller Antiquarian Bookstore gearbeitet.

Die Büchermacher haben sich mit Stefan Bär über seine ersten Erfahrungen und über Entwicklungen in der Antiquariatsbranche unterhalten.

Urs Bernet: Wie war das erste Weihnachtsgeschäft?

Stefan Bär: Die Geschäftsübernahme dauerte viel länger als geplant, und ich konnte erst am 1. Dezember 2015 starten. Meine ersten Erfahrungen sind sehr positiv. Allerdings habe ich keine Vergleichszahlen – es war das erste Weihnachtsgeschäft mit dem Complete Traveller Antiquarian Bookstore als Onlineshop.

Über welche Kanäle hast Du Bücher verkauft?

Vorwiegend über die eigene Website www.ctrarebooks.com. Einerseits bestellten Stammkunden direkt, andererseits benutzten Käufer Suchmaschinen, um Raritäten zu finden.

Insgesamt verkaufe ich über sechs verschiedene Websites, die jeweils ein spezifisches Kundensegment ansprechen. Jede hat ihre eigenen Stammkunden. Mit dem Verkauf über mehrere Websites will ich mich auch absichern: Bei einer Panne auf einer Site, sind meine Bücher auch anderswo erhältlich.

Welche Bedeutung hat Deine Spezialisierung auf Reisebücher?

Die Konzentration auf eine Nische ist zentral. Als das Ladengeschäft an der Madison Avenue noch bestand, führte der Complete Traveller Antiquarian Bookstore neben Reiseliteratur auch ein allgemeines Sortiment, um Laufkundschaft anzusprechen. Als Onlinehändler werde ich mich nun ausschliesslich auf antiquarische Reisebücher fokussieren. 

Wichtig ist auch, dass ich alle Stammkunden persönlich kenne und ihre Interessen einschätzen kann. Im Gegensatz dazu ist es sehr schwierig, Zufallskäufer zu binden, weil diese Kunden ihre Bücher einfach dort kaufen, wo es am billigsten ist.

Welchen Service darf ich als Kunde von www.ctrarebooks.com erwarten?

Grundsätzlich erwarten Kunden eine grosse Auswahl antiquarischer Reisebücher, faire Preise und ein fundiertes Fachwissen. Daher lege ich Wert auf informative Kundenbriefe und biete darin weit mehr als die üblichen Kurzbeschriebe und Rabattcoupons.

Zudem halte ich mich strikt an die standardisierten Zustandsbeschreibungen der Independent Online Booksellers Association (IOBA), der Organisation unabhängiger Online-Buchhandlungen und -Antiquariate. Zum Schutz meiner Kunden beachte ich die Geschäftsrichtlinien der IOBA. Und: Für alle bestellten Bücher besteht ein Rückgaberecht.

Auch bin ich schneller als die Konkurrenz. Rund um New York liefere ich innerhalb eines Tages. Für Kalifornien beträgt die Lieferfrist nur drei Tage. Pakete in die Schweiz zu schicken, dauert jedoch oft vergleichsweise lange, weil Postsendungen immer wieder über mehrere Tage beim Schweizer Zoll liegen bleiben.

Ist die Verlagerung des Antiquariatsgeschäfts ins Internet ein allgemeiner Trend? Wie beeinflusst diese Entwicklung die Branche insgesamt?

Früher gab es an der Third Avenue in New York Dutzende Buchantiquariate. Heute existieren nur noch ganz wenige, deren Verkaufspreisen allerdings mit den Wolkenkratzern hier mithalten können. Auf der anderen Seite gibt es viele Antiquare, die von ihrer Wohnung aus arbeiten und Bücher zu tieferen Preisen anbieten. Je seltener die Bücher, desto weniger haben sich deren Preise in den letzten Jahren gesenkt.