Bücher sollten so schön wie möglich sein

Der preisgekrönte englische Autor Julian Barnes nutzte die Verleihung des Man-Booker-Prize an ihn, um ein Stück seines Ruhms an Creative Director Suzanne Dean abzutreten. Mit dieser Verbeugung vor seiner Buchdesignerin beim Verlag Random House hat er für alle Buchgestalter eine Bresche geschlagen.

Denn mit dem Aufkommen der E-books hat das physische Buch eine Aufwertung erfahren: «Wenn sie ein Buch einfach nur lesen möchten, dann können Sie das elektronisch tun. Wenn Sie es besitzen möchten, dann sollte das Buch so schön wie möglich sein», befand Barnes. 

Julian Barnes, «The Sense of an Ending»

Die Umschlaggestaltung für The Sense of an Ending spielt mit den zentralen Motiven der Geschichte: Zeit und Erinnerung. 

Ein Buch alleine aufgrund seines Umschlags zu beurteilen wäre natürlich unklug, das Cover als irrelevant abzutun aber genauso, kommentierte Suzanne Dean Barnes' Kompliment. Im Interview mit dem Daily Telegraph erläutert sie: «It's the first thing we see, and there's no way to make it entirely objective: a book's cover offers an interpretation of its contents – some inflection, if only by its typeface or colour. And yet its effect on the reader is mostly subliminal. Book designers are the ultimate hidden persuaders.» Wie auch wir Büchermacher betrachtet sie E-books nicht als Gefahr für ihren Berufsstand, sondern als Ansporn für mehr Kreativität.

Wie viel Gewicht bei der Buchproduktion die Gestaltung erhält, ist indes immer auch eine Preisfrage. In Suzanne Deans Augen lohnt sich die Investition heute aber mehr denn je: Gebundene Erstausgaben in aussergewöhnlicher Gestaltung und Ausstattung sind wieder zu Sammlerobjekten geworden. Dass sie vor der Publikation als Taschenbuch im englischen Buchmarkt nur in begrenzter Anzahl erhältlich sind, trägt das seine dazu bei.

Julian Barnes, «The Noise of Time»

 Für Julian Barnes' neuesten Roman The Noise of Time entwickelte Suzanne Dean neun Umschlagentwürfe. Unten rechts das aktuelle Cover. 

Das Coverbild zu Julian Barnes' soeben erschienenen Roman The Noise of Time handelt vom Komponisten Dmitri Schostakowitsch und nimmt eine bedeutende Erfahrung aus seiner Biografie auf:  «I loved that moment when I was reading the manuscript, (...) the thought of that lift and when the lift comes up and it's a different person than the one he's expecting.  (...) I did do lots of other visuals and there were glasses, Russian poster-like covers, blocks to make you feel like he was being pushed in – but I kept coming back to the man and the suitcase and I commissioned this wonderful woodcut and it was just perfect.»