Zwei Ausstellungen im Vergleich

In der zweiten Hälfte 2017 hat Urs Bernet zusammen mit der Zürcher Illustratorin Anna Luchs zwei Literaturausstellungen gestaltet. Die erste ist eine Wechselausstellung in der Universitätsbibliothek Bern vom 26. Oktober 2016 bis 25. März 2018. Die zweite ist eine Dauerausstellung in der Senevita Residenz Nordlicht in Zürich Oerlikon, die am 27. Januar eröffnet worden ist.

Die Ausstellung in Bern inszeniert die Geschichte des Hinkenden Bots von Bern – ein Bauernkalender, der 2017 zum 300. Mal erschienen ist. Im grosszügigen Eingangsbereich zum Lesesaal der Bibliothek Münstergasse steht ein unförmiger Kubus, dessen Aussenform die Figur des Hinkenden Boten spiegelt. Die Wände des Schopfs sind mit Kalenderseiten tapeziert. In chronologischer Reihenfolge bilden sie eine Zeitreise zurück ins Jahr 1717, dem Gründungsjahr des Hinkenden Bots.

Die Ausstellung «Hinkender Bot von Bern» im Untergeschoss der Bibliothek Münstergasse (Fotos: Stephanie Tremp).

In Zürich Oerlikon beabsichtigt die Leitung der Altersresidenz Nordlicht, die kulturgeschichtliche Umgebung ins Haus zu holen und den Blick aus den eigenen Wänden für das nahe Umfeld zu öffnen. Entstanden sind 18 Porträts zu Persönlichkeiten aus Literatur und Kunst, die den Strassen rings um die Residenz ihre Namen gegeben haben. Die dazugehörigen Installationen bestehen jeweils aus einer Acrylglasplatte mit biografischen Informationen und einem direkt auf die Wand gemalten Quartierplan, auf dem die dazugehörigen Strassen markiert sind.

Mascha Kaléko, Residenz Nordlicht

Das Porträt derLyrikerin Mascha Kaléko (Foto: Anna Luchs).

Auf den ersten Blick wirken die beiden Ausstellungen sehr unterschiedlich. Trotzdem sind sie unter vergleichbaren Rahmenbedinungen entwickelt worden. In beiden Fällen standen keine Ausstellungsobjekte zur Verfügung. Vor allem die Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsraum hat die Entwurfsarbeit beeinflusst. In der Bibliothek Münstergasse haben Anna Luchs und Urs Bernet den Gegensatz zum historischen Raum gesucht und einen unförmigen, fast schon modern wirkenden Kubus gebaut. In der Residenz Nordlicht fügen sich die 18 Installationen in die moderne Architektur ein, indem sie bestehende Elemente wie Materialien oder Farben aufnehmen und weiterentwickeln.

Mit den beiden Ausstellungen setzen Anna Luchs und Urs Bernet eine langjährige Zusammenarbeit fort. Neben Büchern und Lehrmitteln gestalteten sie auch die Ausstellung «60 JAHRE ALLES IN ALLEM – ZÜRICH IM SPIEGEL KURT GUGGENHEIMS ROMANCHRONIK», die 2015 im Zürcher Literaturmuseum Strauhof gezeigt wurde. Die Basler Zeitung schrieb damals: «Da behaupte noch einer, es sei schwierig, Literatur fürs Auge, für empfindsame Sinne auszustellen!»