Das digitale Schulbuch

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Die Digitalisierung wird in der Bildung immer mehr zum Thema. Als Folge schiessen Weiterbildungsangebote zu Digital Education wie Pilze aus dem Boden und Lehrmittelverlage, die bisher Bücher gedruckt und verkauft haben, experimentieren mit neuen Publikationsformen und Geschäftsmodellen. Eine Diplomarbeit, die Markus Dittrich an der Fakultät für Gestaltung, Kommunikationsdesign und Medien an der Hochschule Wismar vorgelegt hat, zeigt, wie sich gedruckte Schulbücher weiterentwickeln könnten.

Markus Dittrich hat seine Ideen als Prototyp auf einer Website umgesetzt. In wenigen Sätzen zusammengefasst, zeichnet sich sein digitales Schulbuch durch folgende Merkmale aus: Es bietet mehr Platz für individuelle Notizen, Materialien und Verknüpfungen zu Quellen. Damit sich die Lernenden nicht verlieren, können sie jederzeit zwischen einer reduzierten und detaillierten Inhaltsebene wählen. Ein Arbeitsblattmodus bietet ihnen die Möglichkeit, Inhalte abschnittsweise selbst zu sammeln und zu ordnen. Die so entwickelten Arbeitsblätter lassen sich über eine Onlineplattform teilen. 

Gedruckte vs. digitale Lehrmittel?

Als Fazit schreibt Markus Dittrich: «Das eine Schulbuch würde es gar nicht mehr geben. An seine Stelle träte ein Geflecht von unterschiedlichen Versionen, die in Kollaboration und Konkurrenz erstellt werden». Damit weist er gleichzeitig auf das Potenzial seines Prototyps hin und grenzt diesen vom traditionellen Buch ab, das definitionsgemäss ja ein in sich abgeschlossenes Werk darstellt. Wegen der Möglichkeit zur Individualisierung setzt sein digitales Schulbuch bei den Lernenden jedoch einen hohen Grad an Selbstorganisation voraus. Dafür sind u.a. Sach-, Methoden- und Medienkompetenzen notwendig.

Aus dieser Überlegung ist es zwecklos, digitale und gedruckte Schulbücher gegeneinander auszuspielen, wie dies der E-Lerning-Spezialist und Blogger Roman Schurter auf Linkedin in einer Besprechung zu Markus Dittrichs Diplomarbeit tut: «Das gedruckte Buch darf allenfalls noch Zusatzmaterial für die Haptiker unter uns sein, die das Gefühl und das Rascheln von Papier beim Lernen brauchen. Beim eigentlichen Lernen – also beim Gewichten, Sortieren, Anordnen, Verknüpfen und Anreichern von Inhalten – ist das digitale Schulbuch ganz einfach das bessere Medium.» Auch das so genannte Rieplsche Gesetzt weist darauf hin, dass neue Publikationsformen etablierte Medien nicht ersetzten, sondern ergänzen. Verlage in der Presse- und Buchindustrie haben dies erkannt und entwickeln Angebote, die analoge und digitale Medien klug kombinieren. Lehrmittelverlage sollten auf diesen Erfahrungen aufbauen und ihre Publikationen und Geschäftsmodelle entsprechend den vielfältigen Bedürfnissen der Lehrpersonen und Lernenden pragmatisch weiterentwickeln.